Rundreise: Ausbeutung in indischen Spinnereien und Nähfabriken – zwei Insiderinnen berichten (18.11.-03.12.2013)

Maheshwari Murugan (rechts) mit ehemaligen Sumangali Opfern. Foto: Gisela Burckhardt, 2013Maheshwari Murugan (rechts) mit ehemaligen Sumangali Opfern. Foto: Gisela Burckhardt, 2013FEMNET e.V. hat vom 18.11. bis 03.12.2013 eine bundesweite Vortrags- und Informationsreise zu dem Thema "Ausbeutung in Spinnereien und Nähfabriken Indiens" durchgeführt. Stationen der Reise waren Bonn, Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach, Frankfurt, Stuttgart, Saarbrücken, Würzburg, Hannover, Berlin, Hamburg und Oldenburg. Als Referentinnen konnten mit Anita Cheria und Maheshwari Murugan langjährige Mitarbeiterinnen von Nichtregierungsorganisationen in Bangalore und Tamil Nadu gewonnen werden. Sie haben bei öffentlichen Abendveranstaltungen und an Universitäten aus erster Hand über den Themenkomplex berichtet.

Die Situation in den Spinnereien und Nähfabriken Indiens

Titelmotiv des Flyers zur Rundreise 2013Tausende Frauen und Mädchen arbeiten in Indien unter unsäglichen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Sie werden beschimpft, drangsaliert und müssen 12 Stunden täglich für Hungerlöhne weit unter dem Mindestlohn Schwerstarbeit leisten. Eine besonders schlimme Art der Zwangsarbeit ist das Sumangali-System, das in Spinnereien Tamil Nadus praktiziert wird. Vermittler locken jungen Frauen im Alter von 14-17 Jahren mit Versprechungen auf eine größere Summe Geld in Fabriken, wo sie drei bis vier Jahre arbeiten sollen. Die Summe soll dann für ihre Mitgift genutzt und die Mädchen so zu einer Sumangali, einer „glücklichen Braut“ gemacht werden. In den Fabriken wird der Kontakt zur Außenwelt auf ein Minimum reduziert – die Frauen wohnen in sogenannten Hostels auf dem Gelände der Spinnerei unter Aufsicht - und müssen unter gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen ständig einsatzbereit sein. Die versprochene Summe wird häufig nicht einmal in voller Höhe ausgezahlt. Die Frauen, die in den Nähfabriken Bangalores schuften sind in der Regel erwachsen (ab 18 Jahre), aber auch sie sind verbalen Beschimpfungen ihrer Vorgesetzten ausgesetzt und können von ihrem geringen Lohn nicht überleben. Wenn sie versuchen, sich zu organisieren, werden sie entlassen.

Die Referentinnen

Anita Cheria, 46 Jahre, ist Mitglied im Unterstützungskomittee von Munnade in Bangalore, Indien. Munnade ist eine unabhängige Frauenorganisation und eine Gewerkschaft. Die Organisation setzt sich für die Rechte der Textilarbeiterinnen ein. Sie unterstützt die Frauen vor Gericht, bei Arbeitsprozessen und auch bei Problemen wie sexueller Belästigung.. Alle Mitarbeiterinnen von Munnade haben früher selber als Arbeiterinnen in der Textilindustrie gearbeitet. Anitas Vortrag wird sich mit dem Themenkomplex Ausbeutung von Frauen in Konfektionsbetrieben befassen.

Maheshwari Murugan, 33 Jahre, ist seit 2004 Mitarbeiterin der Grassroots-Organisation Rights Education and Development Center (READ) in Tamil Nadu, Indien. READ setzt sich insbesondere für die Rechte von Mädchen aus der untersten Kaste ein. Maheshwari hat als junge Frau selber drei Jahre lang in einer Spinnerei gearbeitet und steht in regelmäßigem Kontakt mit Opfern des Sumangali-Systems und deren Eltern. Sie organisiert Programme, um potenzielle Opfer auf die Gefahren des Sumangali-Systems aufmerksam zu machen, bringt Betroffene für Lobby- und Kampagnenarbeit zusammen und hilft bei der Datensammlung für die von READ publizierten Studien zu Sumangali. Maheshwari wird über Ausbeutung von Frauen in Spinnereien unter dem Sumangali-System in Tamil Nadu berichten.

FEMNET e.V. bedankt sich bei folgenden Partnern für ihre Unterstützung der Vortragsreise:

Logos der Förderer


Powered by JS Network Solutions