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11.09.2017: Fünf Jahre nach dem Ali Enterprise-Brand stellen Fabriken in Pakistan weiterhin Todesfallen dar

Nasra Bibi verlor ihren Sohn bei dem Brand. Foto: © Amar Guriro Nasra Bibi verlor ihren Sohn bei dem Brand. Foto: © Amar Guriro Berlin. Am fünften Jahrestag des tödlichen Brands in der Ali Enterprise Fabrik gedenkt die Kampagne für Saubere Kleidung den 250 Opfern. Die Bilanz der CCC nach fünf Jahren ist finster: Durch fehlende Sicherheitsinspektionen sind tausende pakistanische Textilarbeiter*innen täglich dem Risiko ausgesetzt, sich zu verletzen oder gar zu sterben.

Der Ali Enterprise Fabrikbrand verdeutlichte, dass Zertifizierungssystemevöllig inadäquat sind, um Sicherheitsmängel zu identifizieren und zu beheben. Nur wenige Wochen vor dem Brand hatte die Fabrik ein SA8000-Zertifikat von der privaten Auditfirma RINA erhalten, bei dem auch Sicherheitsmängel überprüft werden.

Der deutsche Discounter KiK – der einzige Einkäufer bei Ali Enterprises – kürzlich ein Sicherheitsprogramm ein. Doch das System ist sehr undurchsichtig und trägt niemanden gegenüber Rechenschaft. Nasir Mansoor vom pakistanischen Gewerkschaftsbund National Trade Union Federation (NTUF) sagt: “KiK weiß doch aus der Erfahrung mit Ali Enterprise, dass diese unzuverlässigen Auditprogramme nichts bringen und Fabriken nicht sicherer machen. Das Unternehmen sollte aus der Vergangenheit lernen und Inspektionen einführen, die zuverlässig und transparent sind.“ KiK produziert auch weiterhin einen Großteil seiner Kleidung in Pakistan und trägt damit die Verantwortung, Fabriken in dem Land sicherer zu machen.

Karamat Ali vom Pakistani Institute of Labour Education & Research (PILER) fügt hinzu: “Die pakistanische Textilindustrie braucht dringend Sicherheitsinspektionen nach internationalen Standards, damit Fabriken nicht mehr Todesfallen bleiben.”

Der Einsturz des Rana Plaza Gebäudekomplex in Bangladesch 2013 führte zu einem rechtlich verbindlichen, transparenten System von Inspektionen entlang international anerkannter Sicherheitsstandards, dem Bangladesch Accord. „Der schlimmste Fabrikbrand in der industriellen Geschichte Pakistans hätte eigentlich zu einem ähnlichen System führen sollen. Jedoch gab es in den letzten fünf Jahren keine Ambitionen, gravierende Sicherheitsmängel in den Fabriken zu beheben“ beklagt Berndt Hinzmann vom INKOTA-netzwerk.

Der Bangladesch Accord für Brandschutz und Gebäudesicherheit ist ein richtiger Schritt weg vom klassischen Konzept ‘auditieren und ignorieren’ hin zu Inspektionen und erfolgreicher Mängelbehebung. Solange Pakistan nicht endlich selbst glaubwürdige und rechenschaftspflichtige Systeme einführt, die auf finanzielle Unterstützung der Markenunternehmen für Inspektionen und Mängelbehebung aufgebaut sind, bleibt das Leben der Arbeiter*innen am Arbeitsplatz bedroht” sagt Laura Ceresna-Chaturvedi von der Kampagne für Saubere Kleidung.

Am vierten Jahrestag des Fabrikbrands 2016 wurde ein Entschädigungsplan für ausgefallende Löhne und Behandlungskosten verabschiedet. KiK sicherte damals zu fünf Millionen USD zu bezahlen, die von der ILO an die Opfer ausgezahlt werden sollen. Die CCC hofft, dass die betroffenen Familien nun endlich ihre Entschädigung erhalten. Saeeda Khatoon, die ihren Sohn bei dem Brand verlor, spricht als Vertreterin der Opfervereinigung Ali Enterprise Factory Fire Affectees Association: “Wir haben unsere Familienmitglieder bei dem tödlichen Brand vor fünf Jahren verloren, jetzt ist es an der Zeit, dass wir endlich die vereinbarte Entschädigung erhalten. Markenunternehmen müssen Arbeitsrechte achten – auch das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz.”

Kontakt:

Laura Ceresna-Chaturvedi, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., +49-30-420820252
Berndt Hinzmann, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., +49-30-420820251

Pressemitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung


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