Porträts 2015

FEMNET-Vorstandsfrau Gisela Burckhardt besuchte im September 2015 Bangladesch. Im Rahmen dieser Reise war es ihr möglich, sich mit einigen der in der Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ porträtierten Frauen persönlich zu treffen und mehr über ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

 

Mim Salma Akter (Jg. 1990)

Mim Salma Akter. Foto: © Gisela BurckhardtMim Salma Akter. Foto: © Gisela BurckhardtSie ist das Dritte von vier Kindern und ging bis zur 5. Klasse zur Schule. Die älteren Geschwister gingen nicht in die Schule, weil die Familie zu arm war. Mit 13 Jahren begann sie als Druckerin in einer Textildruckerei zu arbeiten und hat seitdem in verschiedenen Fabriken gearbeitet. 2012 kam sie in Kontakt mit einer Gewerkschaft, wurde von dieser geschult und begann dann ihre Kolleginnen zu organisieren. Sie erreichte die Zulassung der Betriebsgewerkschaft. Das Fabrikmanagement drohte mit der Schließung der Fabrik und mit Prügel der Gewerkschaftsmitglieder. Von 900 Arbeiterinnen sind 500 gewerkschaftlich organisiert, zwölf Arbeiterinnen wurden in ein Komitee gewählt. Sieben von ihnen wurden mit Stöcken geschlagen, solange bis sie ohnmächtig wurden. Mithilfe der Fabrikleitung wurde eine „Gegengewerkschaft“ gegründet, um die bestehende Gewerkschaft zu bekämpfen.

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Daliya Shikdur (Jg. 1993)

Daliya Shikur. Foto: © Gisela BurckhardtDaliya Shikur. Foto: © Gisela BurckhardtDalyia hatte eine harte Kindheit. Ihre Mutter heiratete ein zweites Mal und bekam mit dem Mann sechs weitere Kinder, zu denen Daliya aber keinen Kontakt hat. Sie wuchs bei ihren Großeltern mütterlicherseits auf. Mit acht Jahren begann sie Geld zu verdienen, zunächst mit Stickarbeiten per Hand. Sie ging bis zur 8. Klasse zur Schule und bekam ein Stipendium. Mit elf Jahren begann sie in der Fabrik zu arbeiten, zunächst als Gehilfin, später als Näherin (Operator). Da sie so jung war, wurde sie auf der Toilette versteckt oder nach Hause geschickt, wenn Einkäufer die Fabrik besuchten. Insgesamt hat sie in zehn bis elf Fabriken gearbeitet, bis sie zu einem Entschluss kam: Statt immer nur die Fabriken zu wechseln, wenn die Arbeitsbedingungen zu schlecht waren, wollte Daliya die Arbeitsbedingungen in der Fabrik verbessern und gründete eine Betriebsgewerkschaft.

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Tania Akter (Jg. 1990)

Tania Akter. Foto © Gisela BurckhardtTania Akter. Foto © Gisela BurckhardtTania ist die Jüngste von sechs Kindern, darunter fünf Mädchen und ein Junge. Sie besuchte vier Jahre lang die Schule und begann 1999 in der Fabrik zu arbeiten. Da sie eine gute Schülerin war, gab ihr ein Lehrer weiter Unterricht, sodass sie bis zur 8. Klasse lernen konnte.

Sie begann in der Fabrik als Gehilfin mit einem Lohn von 700 Taka (ca. 7 Euro). Sie wechselte mehrmals die Fabrik, ging zwischendurch für ein Jahr in ihr Dorf zurück und fing 2008 wieder bei Luman an, einem früheren Arbeitgeber, wo sie seitdem arbeitet.

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Nurun Nahar (Jg. 1973)

Nurun Nahar. Foto: © Gisela BurckhardtNurun Nahar. Foto: © Gisela BurckhardtNuruns Vater starb, als sie noch ein Baby war. Sie ist die Mittlere von drei Mädchen. Vier Jahre lang ging sie zur Schule. Als ihre Mutter die Schuluniform und die Bücher nicht weiter bezahlen konnte, begann Nurun zu arbeiten. Zunächst machte sie Stickarbeiten zuhause, später begann sie in einer Textilfabrik zu arbeiten. Sie hatte keine Vorkenntnisse über das Nähen und lernte alles am Arbeitsplatz.

Um einen besseren Lohn zu bekommen, muss man in Bangladesch die Fabrik(en) wechseln, was sie auch tat. In der letzten Fabrik blieb sie jedoch neun Jahre lang. Dort wurde sie am Ende entlassen, weil sie die Arbeiterinnen organisierte, die gegen zu niedrige Bezahlung von Nachtschichten und zu späte Lohnauszahlungen protestierten.

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