Wichtige Zahlen und Fakten zu Bangladesch und der Textilindustrie

Bevölkerung (2013): 156,6 Millionen
Bekleidung – Exportanteil in % (2014): ca. 80 %
Anzahl der Textilfabriken: ca. 5000
Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie (2013): 4-5 Millionen, davon 80 % Frauen
Mindestlohn (2014): 5000 Taka (48 €)/Monat
Existenzlohn nach Berechnungen von Asia Floor Wage (2013): 25,687 Taka (257,22 €)/Monat

Die Bekleidungsindustrie in Bangladesch

Bangladesch ist nach China der weltweit größte Exporteur von Bekleidung, die rund 80 % der Exporterlöse des Landes erwirtschaftet. Über vier Millionen Beschäftigte, davon 3,2 Millionen Frauen, leben von der Arbeit in der Bekleidungsindustrie. Bangladesch hat die billigsten Arbeitskräfte weltweit, was zu einem spektakulären Wachstum der Industrie in den letzten Jahrzehnten geführt hat.

Mindestlöhne und Überstunden

Viele Frauen in Bangladesch arbeiten in der Bekleidungsindustrie, um sich und ihre Familien zu ernähren. Die Regierung Bangladeschs hat den Mindestlohn ab 1.1.2014 auf 5000 Taka (ca. 50 Euro) im Monat festgesetzt, die Gewerkschaften verlangten 8000 Taka (ca. 80 Euro), nach der Asia Floor Wage Alliance muss der Mindestlohn bei 257 Euro liegen, um eine Familie ernähren zu können. Nicht einmal alle Fabriken in Bangladesch zahlen den neuen Mindestlohn von 50 Euro. Deshalb müssen die Frauen Überstunden machen. Es ist keine Seltenheit, dass eine Näherin bis zu 100 Überstunden im Monat leistet, um überleben zu können.

Unterdrückung von Gewerkschaftsrechten

Die International Labour Organization (ILO) hat Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungsrecht als zwei der grundlegendsten Rechte von Arbeiter_innen weltweit in den sogenannten Kernarbeitsnormen festgelegt. In Bangladesch ist es jedoch extrem schwierig, in den Fabriken Gewerkschaften zu gründen und diese offiziell anerkennen zu lassen. In 142 von insgesamt ca. 5000 Fabriken gibt es registrierte Gewerkschaften. Die meisten konnten sich erst im letzten Jahr gründen, weil der Druck auf die Regierung nach dem Unglück von Einschüchterung, Diskriminierung, Entlassung und schwarze Listen zu verhindern. Gewerkschafter_innen riskieren verprügelt zu werden, einige zahlten sogar mit ihrem Leben.

Der Brand bei Tazreen

Am 24.11.2012 brach in der Tazreen Fabrik in Bangladesch abends um 18.30 Uhr ein Brand aus. Von den über 1000 Arbeiter_innen befanden sich noch 600 in der Fabrik. Es gab keine Fluchtausgänge ins Freie und die Fenster waren vergittert. Einige Arbeiter_innen konnten die Ventilatoren aus dem Fenster reißen und durch die Lücke aus großer Höhe in die Tiefe springen. Im Feuer, beim Sprung aus der Höhe und später an den Folgen starben insgesamt 125 Arbeiter_ innen, 150 verletzten sich, teils schwer. Die Tazreen Fabrik hatte neun Stockwerke, drei davon waren illegal aufgesetzt worden. Nicht einmal die einfachsten Sicherheitsvorkehrungen gab es: Es fehlten Notausgänge und Feuerleitern. Da das Feuer im Eingangsbereich ausbrach und die Treppen hinaufzog, gab es für die Näher_innen kein Entrinnen. Bei der Tubagruppe, zu der die Tazreen Fabrik gehört, platzieren auch deutsche Einkäufer ihre Aufträge, u.a. KiK (bis 2011), Karl Rieker und Lidl. Insgesamt gibt es rund 14 internationale Einkäufer, die zum Zeitpunkt des Brandes oder in den Jahren davor Aufträge an die Tubagruppe vergeben haben. Einige von ihnen wie C&A, Walmart und KiK, hatten die Tazreen-Fabrik überprüft und teilweise sogar Mängel festgestellt. Dennoch passierte nichts. Im Gegenteil: Die Aufträge flossen weiter.

Rana Plaza

Der bislang schwerste Fabrikunfall geschah im April 2013. Das neunstöckige Rana Plaza mit fünf Textilfabriken in Sabhar stürzte ein. 1138 Menschen wurden dabei getötet, über 1500 wurden oft schwer verletzt. Der Entschädigungsfonds für die Opfer und ihre Verbliebenen – benötigt werden laut Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO 40 Mio US $ – wurde aber nur zur Hälfte von Einkäuferseite gefüllt. Auch die deutschen Firmen KiK, Adler, NKD ließen dort produzieren und haben bisher gar nicht oder zu wenig in den Fonds eingezahlt. Positiv zu vermerken ist aber die Unterzeichnung eines Brand- und Sicherheitsabkommens durch rund 170 vornehmlich europäische Unternehmen, die sich dazu verpflichteten, ihre Produzenten in Bangladesch zu nennen. So werden jetzt rund 2000 Fabriken auf ihre Sicherheit hin überprüft und die Ergebnisse dieser Prüfungen werden ins Internet gestellt. Erstmalig erfahren so Gewerkschaften, Arbeiter_innen und die interessierte Öffentlichkeit wie die Sicherheitslage in den Fabriken aussieht.


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