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30.11.2018: Wie gelingt faire öffentliche Beschaffung? FEMNET berät Steuerungsgruppen von Fairtrade-Towns

Unser Workshop in der Fairtrade-Town Saarbrücken. Foto: © FEMNETUnser Workshop in der Fairtrade-Town Saarbrücken. Foto: © FEMNETVon nordfriesischem Nieselregen an die sonnige Saar, von Weinhängen am Main bis zur mecklenburgischen Ostsee: 2018 haben wir in fünf Fairtrade-Towns in ganz Deutschland Strategieworkshops zur fairen öffentlichen Beschaffung von Berufskleidung durchgeführt. So unterschiedlich die Orte auch sind – gemeinsam ist allen das Ziel, in der Stadtverwaltung Berufskleidung und Textilien zu nutzen, die unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ohne Umweltschäden hergestellt wurden.

Fairtrade-Towns bieten großes Potenzial, die faire öffentliche Beschaffung von Bekleidung und Textilien voranzubringen. Weil fairer Kaffee und ein weiteres faires Produkt in der Stadtverwaltung ausgeschenkt werden, ist das Thema Fairer Handel in der Stadtverwaltung präsent. Weil eine Steuerungsgruppe etabliert ist, sind Zivilgesellschaft, Einzelhandel, Stadtpolitik und Stadtverwaltung vor Ort rund um den Fairen Handel bereits vernetzt. Auf Grundlage dieser existierenden Strukturen bot FEMNET 2018 erstmals Strategieworkshops zum Thema der fairen öffentlichen Beschaffung für Fairtrade-Town-Steuerungsgruppen an

Fairtrade-Towns in Deutschland wie Stadtverwaltungen sind vielfältig – die Herausforderungen bei der Umstellung auf eine faire öffentliche Beschaffung ähneln sich jedoch überall. Im unterfränkischen Güntersleben mit seinen 5.000 Einwohner_innen standen der Bauhof und Sportbälle in den Schulen im Fokus – im niedersächsischen Hannover mit seinen 500.000 Einwohner_innen ging es schwerpunktmäßig um die zentrale Beschaffung für die etwa 11.000 Mitarbeiter_innen der Stadtverwaltung und um die Feuerwehren. Die Ziele aller Workshops waren dieselben: Den aktuellen Stand der Beschaffung von Berufskleidung und Textilien unter die Lupe zu nehmen, über Möglichkeiten und Spielräume zu informieren und vor diesem Hintergrund Schritte hin zu einer nachhaltigeren Beschaffung ins Visier zu nehmen.

Die Workshops finden in Kooperation mit Transfair e.V. und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) statt. Transfair ist Träger der Kampagne „Fairtrade-Towns“, kennt die Herausforderungen in den Kommunen und Steuerungsgruppen und kann bei der Umstellung auf die faire öffentliche Textilbeschaffung beratend zur Seite stehen. Die SKEW bietet zahlreiche Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für Kommunen, die sich auf den Weg machen.

 

 

„Deutschland fairgleicht“

 Fairtrade-Towns

Die SKEW und TransFair zeichnen Kommunen aus, die sich besonders um den Fairen Handel verdient machen. Dazu gehört immer mehr auch die faire öffentliche Beschaffung von Bekleidung.

Erfolgreiche Workshops in fünf Bundesländern

Unser Workshop in der Fairtrade-Town Aurich. Foto: © FEMNETUnser Workshop in der Fairtrade-Town Aurich. Foto: © FEMNET2018 konnten wir in den Fairtrade-Towns Aurich (Niedersachsen), Güntersleben (Bayern), Hannover (Niedersachsen), Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) und Saarbrücken (Saarland) Workshops durchführen. Entschieden wurde aufgrund der Bewerbungen aus den Fairtrade-Town-Steuerungsgruppen: Wir wollen das Thema in möglichst vielen Regionen stärken – also ging es um eine geographisch breite Streuung und die Ausstrahlungsmöglichkeiten der ausgewählten Kommunen in Nachbargemeinden. Außerdem wollten wir möglichst unterschiedliche Gemeinden unterstützen, damit gute Beispiele leicht nachgemacht werden können. Besonders kleine Gemeinden, in denen die globale Menschenrechtsbewegung häufig noch viel stärker ehrenamtlich getragen wird als in größeren Kommunen, sollten von der Unterstützung profitieren. Zwar haben große Städte mit ihren hohen Einkaufsvolumina eine große Wirkung auf den Berufsbekleidungsmarkt – der Großteil der Kommunen in Deutschland sind jedoch kleine und mittlere Kommunen und das Thema muss in der Fläche verankert werden!

In kleineren Gemeinden stehen bei der Umsetzung oft praktische Fragen im Zentrum: Wo stehen wir aktuell mit unseren Bekleidungsprodukten in Hinblick auf Umwelt und Menschenrechte überhaupt? Welche Nachweise für die Maßnahmen von Herstellern sind glaubwürdig und was weisen sie genau nach? Wie können wir mit unseren Händlern vor Ort gemeinsam diese Nachweise einholen?

In größeren Kommunen haben hauptamtliche Angestellte – zum Beispiel Koordinator_innen kommunaler Entwicklungspolitik oder Fairtrade-Koordinator_innen oder Mitarbeiter_innen der lokalen Agendabüros – solche Bestandsaufnahmen häufig bereits durchgeführt. Für große Ausschreibungen stellen sich aber viele vergaberechtliche Fragen: Dürfen wir den Preis mit weniger als 50% für die Auswahl der Produkte gewichten? Dürfen wir überhaupt zwingend Nachhaltigkeitskriterien für unsere Produkte fordern oder bei der Auswahl zumindest belohnen? Unabhängig von der Größe der Kommune und der Verwaltung stellen sich Qualitäts- und Finanzierungsfragen: Sind die Produkte nachhaltigerer Hersteller denn qualitativ genauso gut? Werden faire und ökologische Produkte viel teurer? Wie können wir die Umstellung mit dem Verwaltungspersonal bewerkstelligen – denn Qualifizierung von Personal und Umstellung von Prozessen brauchen Zeit. Wie können wir eine effiziente Umstellung sicherstellen durch einen verbesserten Austausch innerhalb der eigenen großen Verwaltung oder mit Nachbargemeinden? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie zusammengestellt in unserer Broschüre „Fair einkaufen in Fairtrade-Towns“.

Motivation für 2019

Unser Workshop in der Fairtrade-Town Rostock. Foto: © FEMNETUnser Workshop in der Fairtrade-Town Rostock. Foto: © FEMNETDie fünf Fairtrade-Towns des Workshopjahrgang 2018 haben sich konkrete Ziele gesteckt: Aus Aurich nehmen Vertreter_innen der Steuerungsgruppe an Treffen des Netzwerks faire öffentliche Beschaffung teil und für das Schwimmbad und den Bauhof werden Möglichkeiten zur faireren Beschaffung untersucht. In Rostock wollen die Straßenbahn-AG und Wohnungsgesellschaft in einem Pilotprojekt gemeinsam Arbeitshandschuhe nach fairen Kriterien ausschreiben. In Güntersleben und den Nachbargemeinden werden besonders für den Bauhof die Erfahrungen aus Würzburg genutzt. In Hannover wird in Zukunft die Beratung aus der zentralen Beschaffung auch für andere Stellen noch stärker in Anspruch genommen. In Saarbrücken will unter anderem Klinikum seine Beschaffung auf den Prüfstand stellen und Nachbarorte wir Saarlouis tragen die Erfahrungen ins Umland. Die Teilnehmenden nahmen Informationen, Motivation und Handlungsimpulse aus den Workshops mit – jetzt heißt es dranbleiben und umsetzen!