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01.04.2013: Das Praktikum bei Cividep und Munnade 1. Teil

Seit gut einem Monat bin ich jetzt im Süden Indiens, in der Hauptstadt von Karnataka. Die Zeit verging bis jetzt wie im Fluge, ein gutes Zeichen, dass ich mich hier sehr wohlfühle  und (Gott sei Dank!) keinen berüchtigten Kulturschock erlebt habe, vor dem ich von allen Seiten doch mehrmals gewarnt wurde.

Es ist das erste Mal, dass ich ein Land außerhalb von Europa kennenlerne und das für einen längeren Zeitraum von sechs Monaten. Durch die intensive Vorbereitungszeit über das was mich eventuell alles erwarten könnte, entwickelte sich von Tag zu Tag eine zunehmende Neugier, Faszination und Sehnsucht nach diesem für mich noch unbekannten Land. Die andere Kultur mit vielen unterschiedlichen Religionen, das neue Miteinander zu Hause und auf der Straße, für mich fremde aber dort total akzeptierte und scheinbar nicht hinterfragte Verhaltens- und Alltagsregeln, die von allen herbeigesehnte Monsunzeit, und die unendliche, bunte Vielfalt der Kleidung, Häuser, Speisen, Landschaften- einfach des gesamten indischen Lebens. Und es ist tatsächlich genauso, wie ich es überall gelesen und gesehen habe. Es ist gleichzeitig inspirierend, und bedrückend, atemberaubend, aber auch beängstigend, auf der einen Seite amüsant, auf der anderen Seite erschreckend, man könnte ewig so weiter machen. Indien ist und bleibt ein Land der Gegensätze.

Mein Hauptanliegen, die Praxisphase in Indien zu verbringen, ist an die Wurzeln der Bekleidungsproduktion zu gelangen. Fragen, die mich brennend interessieren sind u.a.: Unter welchen Umständen versuchen überwiegend Frauen tagtäglich unseren westlichen Konsum zu bewältigen, welche Konsequenzen hat unsere wachsende, scheinbar endlose Nachfrage auf ihre Lebenssituation? Inwieweit wird sowohl lokal als auch global etwas gegen diese Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen unternommen? Worauf müssen Bekleidungsunternehmen achten/sich einstellen, wenn sie ihre Produktion ins Ausland verlegen? Und was können gerade sie leisten, um die Situation zu verbessern?

Alles Aspekte, die für mich sehr wichtig sind, wenn ich später eventuell für ein Unternehmen arbeite, dass nicht in Deutschland produzieren lässt, sondern die günstigste und an sich effizienteste Alternative im Ausland gewählt hat. Die ökologischen und sozialen Folgen dabei werden meistens gar nicht oder wenn, nur unzureichend berücksichtigt. Der ökonomische Part steht nach wie vor an erster (und einziger) Stelle. Nachhaltiges Handeln-  immer noch ein unangenehmes, schwieriges Thema in Unternehmen.

Durch das Praktikum erhoffe ich mir genauere Einblicke zubekommen, und mir so ein unverfälschtes Bild von den realen Umständen machen zu können. Hierzu werden unterschiedliche Ansprechsprechpartner beitragen, die an der textilen Wertschöpfungskette beteiligt sind: die Unternehmen, die Konsumenten, die Arbeiter/-innen vor Ort, Gewerkschaften, NROs, und die jeweiligen Regierungen.

Cividep (Civil Initiatives for Development and Peace) India, (weitere Informationen unter: http://cividep.org/) ist eine NRO in Bangalore und besteht seit 12 Jahren. Die Organisation setzt sich für Menschen-, Arbeitsrechte und Umweltstandards besonders in der Elektronik- und Bekleidungsindustrie ein, organisiert Recherchen, Trainings, Kampagnen, und verfasst Berichte zu CSR und Unternehmensverantwortung. Während meiner Praktikumszeit begleite ich das Team von Cividep, in das ich sehr herzlich integriert werde, nehme an Projekten mit anderen Organisationen zusammen teil, und  recherchiere zum Thema Arbeitsbedingungen speziell im Bekleidungssektor. Mitte März startete ein solches Forschungsprojekt im südindischen Textil- und Bekleidungssektor, an dem ich aktiv mitarbeiten werde. Es geht um Kinderarbeit, Diskriminierung, Gewerkschaftsbildung, Vereinigungsfreiheit, Löhne, Arbeitszeiten etc.

Munnade, eine Frauenrechtsorganisation auch aus Bangalore, unterstützt Arbeiterinnen im Bekleidungssektor sowohl bei arbeitsrechtlichen als auch bei häuslichen/familiären Angelegenheiten. Gemeinsam mit ihnen kann ich direkt mit den Arbeiterinnen in Kontakt treten. Drei Tage die Woche verbringe ich bei Cividep und zwei bei Munnade.

Ich bin sehr gespannt darauf, mit den Arbeiterinnen zusammen arbeiten zu können und während den Interviews mehr über sie und ihre Tätigkeiten zu erfahren.

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Theresa, 01.04.2013