Welchem Textilsiegel kann ich trauen? Tipps für den Dschungel

Immer mehr KonsumentInnen wollen ökologisch und fair hergestellte Kleidung kaufen - bei der Herstellung sollen keine Pestizide benutzt werden und die ArbeiterInnen in den Produktionsländern wie Bangladesch arbeiten unter menschenwürdigen Bedingungen.

Doch es ist gar nicht so einfach, sich in dem Dschungel von bunten Siegeln zurechtzufinden. Was steckt dahinter? Welchen ist zu trauen und mit welchen wird nur sogenanntes Greenwashing betrieben?

Wir möchten Interessierten einige Tipps für den bewussten Einkauf geben:

 

Internetportale über öko-faire Kleidung:

www.gruenemode.de

www.getchanged.net

Ethical Fashion Stores/Läden in Deutschland von Grüne Wiese

Vertiefende Informationen zu Siegeln und Standards finden Sie auf www.gruenemode.org von der Christlichen Initiative Romero.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) hat einen Firmencheck von 50 europäischen Unternehmen durchgeführt und bei der schweizerischen CCC finden Sie auch eine App für Ihr Smartphone.

 

Siegelübersicht

1. Unabhängige Prüfung: Wichtig ist, dass sich ein Unternehmen unabhängig und extern von einer Multi-Stakeholder Initiative prüfen lässt. Eine externe Überprüfung schafft mehr Glaubwürdigkeit als eigene Kontrollen, die im Auftrag eines Unternehmens vorgenommen werden, das die Prüfung auch bezahlt.

2. Transparenz: Je transparenter ein Unternehmen sich darstellt, umso besser. Transparenz heißt Offenlegung der Namen der Produzenten und der Länder, Veröffentlichung der Ergebnisse der eigenen Prüfungen (Audits) sowie Nachvollziehbarkeit der Herkunft möglichst aller Teile eines Produkts (track & trace).

Es gibt noch kein einheitliches Siegel für biologisch und fair hergestellte Produkte, deshalb sollte man nach Kleidung suchen, die möglichst beide Siegel tragen.

SiegelübersichtFaire Siegel:

Unter den fairen Siegeln gibt es zum einen das Fairtrade-Siegel, dessen Ziel es ist, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbäuer_innen und Arbeiter_innen auf Baumwollplantagen durch faire Preise zu verbessern. Das Fairtrade-Siegel gibt es bisher vor allem für die Baumwolle, für die weiteren Verarbeitungsstufen (Spinnereien, Webereien, Konfektion) werden zwar Nachweise verlangt, die jedoch nicht überprüft werden. Dies ist nicht ausreichend. Auf der Website können Sie eine Produktdatenbank mit fair gehandelten Produkten in Deutschland durchforsten.

Zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen in der Konfektion verpflichten sich die Unternehmen, die Mitglied bei der Fair Wear Foundation sind.  Die FWF führt zwar auch einige Kontrollen in den Zulieferfirmen durch, überprüft aber auch das Managementsystem des Mitglieds, ob z.B. die Einkaufspolitik es zulässt, dass der Zulieferer fair produziert. Sie können auf der Website mittlerweile 120 Marken von 80 Unternehmen finden, darunter hess natur, Jack Wolfskin, Vaude, Schöffel, Switcher, hempage, Nudie Jeans. Während das fairtrade Siegel ein Produktsiegel ist, stellt die Mitgliedschaft in der FWF eine Art "Unternehmenssiegel" dar. Nicht das einzelne Produkt wird geprüft, sondern das ganze Unternehmen. Nur so kann davon ausgegangen werden, dass das Unternehmen seine Herstellungsbedingungen nachhaltig (nämlich für alle Produkte) ändert. Die FWF gibt ihren Mitgliedsunternehmen allerdings auch einige Jahre Zeit zur Umsetzung des anspruchsvollen Kodex, sie versteht sich als unterstützende Organisation bei einem Prozess. Die FWF weist die höchsten sozialen Standards in der Konfektion auf.

Ökologische Siegel:

SiegelübersichtDie oben genannten Siegel werden für sozial hergestellte Kleidung vergeben. Zwar fördert zum Beispiel Fairtrade auch biologischen Anbau, Bedingung für das Siegel ist er aber nicht.

Anders ist dies bei Naturtexil IVN zertifiziert BEST. Firmen mit diesem Siegel müssen sehr strenge ökologische Richtlinien beachten. Auch hier finden Sie eine Liste mit Läden und Online-Shops.

Das vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) und anderen vergebene Siegel GOTS (Global Organic Textile Standard) ist ein Mindeststandard, den Naturtextilien nach IVN erfüllen müssen. Die Kleidung muss 95% (Grad 1) bzw. 70% (Grad 2) bio-zertifizierte Naturfasern enthalten. Für den Restfaseranteil sind beim GOTS auch andere, nachhaltige Fasern zugelassen, die wiederum z.B. durch FSC/PEFC oder Recyclingstandards geprüft sein müssen. Es ist vor allem ein Ökosiegel.

Beide Siegel haben zwar auch Sozialstandards in ihrem Kodex, die Zahlung von existenzsichernden Löhnen ist bei beiden gefordert aber nicht eindeutig verpflichtend. Zu beachten ist, dass beide Siegel sich hauptsächlich auf zertifizierte Biofasern beziehen und die gesamte textile Kette berücksichtigen.